Sucht

In diesem Abschnitt möchten euch Frauen davon erzählen, wie mittels unterschiedlichster Süchte versuchten eine tiefe Leere in ihrem Herzen vergeblich zu lindern.

"Pornographie, damit haben nur Männer ein Problem."

Diesen Satz habe ich oft gehört. Wie dieser Satz zum Teil meines Problems, der Dunkelheit und meiner extremen Scharm wurde, möchte ich dir gerne im Folgenden erzählen.

Erst einmal ein wenig zu mir: mein Name ist Jasmin, ich bin Anfang 20 und bin in Ausbildung. In meinem Elternhaus wurde Sexualität sehr wenig thematisiert. Mir wurde zwar erklärt was sich bei mir in der Pubertät verändert und was meine Periode bewirkt aber Sex oder was sich bei Männern in der Pubertät tut wurde außenvor gelassen.

Ich war in der 9. Klasse und wir hatten Biologieunterricht - Sexualkunde. Unsere Lehrerin war jung und hat den Unterricht sehr spannend und interessant aufbereitet - sie hat uns die Wirkungen verschiedener Hormone erklärt, den Aufbau der Genitalien, etc... Ich war voll dabei, da ich schon immer sehr interessiert an den Entwicklungen und Prozessen des menschlichen und tierischen Körpers war und ich ja noch nicht viel wusste. Eines Tages gab uns Frau T. eine Liste an Begriffen mit nach Hause zu denen wir eine Definition aufschreiben mussten. Wir könnten ja unsere Eltern fragen oder im Internet recherchieren. Klar, meine Eltern fragen, das war natürlich das erste, was mir eingefallen wäre - nicht. Also setzte ich mich zu Hause an den PC und googlte die Begriffe. Die ersten Definitionen waren schnell gefunden und aufgeschrieben. Dann kam das Wort „Ejakulation“ und was machte Google? Es gab mir als erstes keine schriftliche Definition aus, sondern direkt einen Videoclip. Ich könnte jetzt viel erzählen, was mir durch den Kopf gegangen ist, doch ich fasse mich kurz: Mein Interesse wurde geweckt und ich gab in die Suchleiste - trotz Zweifel und in dem Wissen, dass es nicht in Gottes Willen war - „Porno“ ein.

Als ich dann auf das erste Porno klickte wurde mir bewusst, dass es gar nicht mein erstes Porno war, welches ich mir anschaute. Denn mit ca. 8 Jahren hatte mir eine Freundin, sie hatte damals ein Handy von ihrem Vater geschenkt bekommen, ein Porno gezeigt. Damals verstand ich nicht, was das war. Das wurde mir aber genau in diesem Moment bewusst. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Nach dem ersten Porno folgten noch einige erst einmal aus Interesse, um zu beobachten, was die da machen und was genau beim Mann passiert. So fing es an. Auch wenn es rein aus Neugier und Wissensdurst begann, merkte ich schnell, dass das schauen von Pornos etwas bei mir auslöste, dass mein Körper darauf reagierte. Ich mochte dieses Gefühl und so schaute ich wochenlang jeden tag Pornos. Es lenkte ab, von den Problemen, die ich in der Schule mit meinen Klassenkameraden hatte. Doch ich muss sagen, wenn ich den PC ausmachte kam das Schuldbewusstsein auf die Tagesordnung. Der Feind nutzte dies, um mir einzutrichtern, dass ich nichts wert sei, dass ich Gott enttäusche und dass ich schandhaft bin. Diese Gedanken wurden noch lauter, als das Material, das ich schaute, immer heftiger extremer und viel perverser wurde. Nach ein paar Monaten war ich so weit, dass ich zu Jesus schrie : „Hilf mir! Ich schaffe das nicht alleine aus der Sucht.“ Nachdem ich diesen Satz betete, installierte ich einen Pornblocker auf meinem Laptop. Ich weiß leider nicht mehr genau, wie lange es gedauert hat, aber mehr als ein halbes Jahr kann es nicht gewesen sein. Ich bin froh, dass ich mich nicht selbst befriedigt habe, denn ich kann mir vorstellen, dass es dann eventuell schwerer ist aus dem Kreislauf auszubrechen und diese Süchte hinter sich zu lassen. Ich schaffte es, ohne mit jemandem außer Jesus darüber zu reden, für mich ein echtes Wunder.

Kurz vor meinem 17. Lebensjahr hatte ich noch einmal einen Rückfall. Ich schaute mir zuerst ein erotisches Video an, welches mir auf Snapchat vorgeschlagen wurde, danach bekam ich Lust auf ein Porno und sah mir ein paar an. Danach war die Selbstanklage sooo groß und ich entfernte mich von Gott, da ich mich so schuldig fühlte. Ein paar Wochen fand ein Frauentag statt, und als der Lobpreis anfing, brach es aus mir heraus. Selten habe ich so bitterlich geweint. Ich fühlte mich nicht würdig genug, um vor‘s Kreuz zu kommen und Lobpreis zu machen. Meine Schwester, die an dem Tag auch vor Ort war, sah mich, kam auf mich zu, umarmte mich und fragte, ob ich ihr erzählen wolle, was los sei. Ich traute mich nicht ihr es zu erzählen. Sie betete einfach so für mich. Weil der Satz „Pornographie, damit haben nur Männer ein Problem.“ tief in meinem Herzen verankert war, war die Barriere es jemandem zu erzählen, noch viel größer.

Später erzählte ich einer sehr guten Freundin davon. Es zu erzählen fühlte sich an als würde ein kleiner Sonnenstrahl in eine dunkle und vermoderte Gefängniszelle fallen. Es war eine Erleichterung. Doch es blieb erst einmal bei dieser einen Freundin.

Vor gut einem Jahr war ich auf einer Jugendfreizeit. An einem Lobpreisabend, an dem dazu aufgerufen worden wurde Zeugnis zu geben, sprach Gott zu mir in mein Herz. Ich sollte aufstehen und von meiner Porographiesucht erzählen. Mir schlug mein Herz bis zum Hals, die Aufregung war fast so groß, als vor Abirede, die ich gehalten habe. In mir war eine große Zerrissenheit: „Was würden die anderen über mich denken?“ Doch dann hörte ich in mir den Satz: „Wenn du jetzt nicht aufstehst und davon erzählst, wirst du es nie tun.“ Also fasste ich all meinen Mut zusammen und erzählte meine Geschichte. Keine Tat ist so schlimm, dass Jesus sie nicht vergeben würde. Jesus wartet nur darauf, dass wir auf ihn zukommen und ihm alles vor die Füße legen. Er wartet ohne Vorwurf, voller Liebe. Er möchte das wir in Freiheit und im Frieden leben - in seinem Frieden, seinem „Shalom“. Er selbst würde niemals einen Stein werfen, wie es die Pharisäer sehr wahrscheinlich getan hätten. Er selbst wusste, was die Frau getan hatte. Er war derjenige der keinen Stein werfen wollte und den Anfang machte. Er allein hätte den Steinen werfen können, weil er ohne Sünde war und ist. Doch hat er es getan? Nein. Deswegen dürfen wir vor ihn kommen, mit Würde.
Nachdem ich mein Herz ausgeschüttet hatte, bekam ich an dem Abend extrem gutes und positives Feedback auf mein Zeugnis. Die Lügen die in meinem Kopf rumschwirrten, nämlich das andere schlecht über mich denken würden, hatten sich nicht bestätigt. Es entstanden beim Abendessen super gesegnete Gespräche zwischen Jungs und Mädels. Einige Jungs teilten ihre Zeugnisse über den Kampf gegen die Pornosucht.

Rückblickend kann ich sagen, dass mir das Zeugnis geben darüber, was Jesus in meinem Leben getan hat und das laut aussprechen, was passiert war mir noch mal extrem geholfen hat, das Ganze zu verarbeiten und Licht ins Dunkel zu bringen. Die dunkle, vermoderte Gefängniszelle ist jetzt ein Acker auf dem gesät worden ist. Denn aus dem Zerbruch entsteht Leben.

Im Nachhinein, kurz nach der Freizeit hatte ich auch noch ein Gespräch mit meiner Familie, in dem ich davon erzählte.

Wenn du ein Problem mit Pornographie hast, dann trau dich es jemandem zu sagen, dich jemandem mitzuteilen. Ich kann nur zu gut verstehen, wie du dich fühlst. Lass Licht in die Dunkelheit. Wenn man es einmal ausgesprochen hat wird es leichter. Wenn du magst, dann kannst du dich auch gerne bei mir melden.

Ich möchte dir zusprechen, denn du bist wertvoll und du bist eine Würdenträgerin!

 

Von Herzen,

Jasmin

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