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  • Autorenbild Josefine | MZMG

Mythos "Bedingungslose Liebe" - Muss Liebe so sein?

Aktualisiert: 29. Dez. 2023

Dieser Blogeintrag ist ein Transkript aus dem gleichnamigen PODCAST auf Spotify bzw. YouTube.


In diesem Beitrag möchte ich mit einem Mythos "aufräumen", von dem ich glaube, dass er nicht gut für Partnerschaften ist und ohnehin nicht wirklich existent sein kann. Dieser Mythos schwebt rund um den Glauben an die bedingungslose Liebe in einer Partnerschaft.


Vorweg muss man einräumen, dass es ein absolut menschliches Bedürfnis ist, gesehen, gehört, akzeptiert und geliebt zu werden. Aus diesem Wunsch nach der bedingungslosen und voll umfänglichen Akzeptanz des eigenen Seins schlussfolgern Menschen gern: Für die Liebe und Partnerschaft gilt eine gleiche Annahme. Diese Annahme drücken Paare dann so aus:

"Ich liebe bedingungslos und möchte bestenfalls auch genau so geliebt werden."

Leider ist das mehr Romantik als Realität. Und ich möchte erklären, wieso.

Dazu möchte ich 3 Eigenschaften aufzeigen, die bedingungslose Liebe zwischen Menschen beinhalten müsste:


  1. Die Liebe darf keine Bedingungen, also keine Erwartungen an die Partnerschaft stellen. Das würde bedeuten: Dein Partner könnte tun und lassen, was er möchte, du würdest (oder müsstest?!) ihn ja sowieso lieben!

Aus der christlichen Ethik wird dann schnell die Vergebung mit ins Boot geholt - als ein Notanker. Ich bin absolut davon überzeugt, dass Liebe viel Vergebung braucht. Eine gesunde, ausgeglichene Partnerschaft kann nur gelingen, wenn wir dem anderen auch seine menschlich fehlerhafte Seite vergeben. Doch wer bedingungslos liebt, der braucht gar keine Vergebung zu geben. Eine bedingungslose Liebe macht Vergebung unwichtig.


2. Eine bedingungslose Liebe geht nur von sich selbst aus; d.h. es würde ausreichen, wenn nur ein Mensch der Partnerschaft so liebt. Bedingungslos lieben heißt, ich kann nicht von meinem Partner erwarten, dass er mich auch so liebe - das wäre eine Bedingung!

Kann eine erfüllende, glückliche Liebe in einer Partnerschaft auf Einseitigkeit beruhen? Ich glaube es nicht. Doch genau das darf bei bedingungsloser Liebe passieren - und das muss sie dann auch ertragen.

3. Diese Form der Liebe ist eine absolut willkürliche Liebe. Was dein Partner mit diesem Liebesangebot macht, dass ist vollkommen egal (siehe 1.). Die Willkür steckt darin, dass diese Liebe keinen Rahmen findet - sie ist weder an Raum, Zeit, Entscheidungen, Gefühlen oder Vereinbarungen geknüpft. Das Risiko dieser Willkür liegt in der Gefahr des missbräuchlichen Umgangs. Diese Liebe ist der Machtlosigkeit ausgeliefert. Es ist keine Beziehung auf Augenhöhe, sondern eine in einem ungleichen Machtgefälle. Der Nährboden einer toxischen Beziehung.


Warum ist eine bedingte Liebe gesund, normal und gut?


Nicht selten fühlen sich Menschen angegriffen, wenn man sie aufgrund bestimmter "Faktoren" liebt. Wenn wir uns für einen Menschen entscheiden, dann tun wir das nicht aus einem Schwall bedingungsloser Liebe, die wir frei verschenken wollen, sondern weil ein Mensch zu uns und unserem Wesen passt. Faktoren, nur am Rande erwähnt, sind äußerliche Attraktivität und Anziehung auf uns, Intellekt, Werte, Glaubensüberzeugungen, beruflicher Erfolg, Auftreten, ach und so vieles mehr. Wer meint, ohne diese Faktoren seinen Partner gewählt zu haben, dürfte ja theoretisch auch jeden anderen Menschen lieben können? Tun wir aber einfach nicht.


Bedingungslose Liebe kann nicht zum Ziel haben die menschlichen Grundbedürfnisse nach Liebe, Annahme und Akzeptanz einzufangen. Das Leben, die Liebe und ein Partner werden dem nie vollkommen gerecht.

Bedingte Liebe ist wichtig, weil sie eine gleichberechtigte Liebe ist.

Es eine Liebe, die nicht alles mit sich machen und alles über sich ergehen lässt. Diese Form der Liebe ist nicht der Reaktion des Partners ausgeliefert, sondern sie entscheidet sich immer wieder für diesen Menschen aus einem Bewusstsein statt aus einer Selbstverständlichkeit heraus.


Das schöne ist: diese bedingte Liebe ist beeinflussbar. Sie ist nichts starres, sondern fluid. Sie ist mal mehr, mal weniger. Liebe kann man nicht besitzen. Sie ist eine Fähigkeit, die wir erproben können, wie Erich Fromm es beschreibt.


Übrigens: Am Altar geben wir uns auch das Ja-Wort unter einer Bedingung "Bis dass der Tod uns scheidet."


Mein Fazit:


Liebe ohne Bedingungen zielt auf Willkür und ist der Nährboden für eine toxische Beziehung. Denn dort wo keine Bedingungen zu finden sind, dort kann eine einseitige Liebe herrschen. Einseitig lieben ist weder erfüllend noch entspricht es den menschlichen Grundbedürfnissen.



 


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Josefine



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