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  • Josefine Reider

Erkenntnisse aus zwei Schwangerschaften: Leben& Sterben, Baby Blues und weltliche Ratgeber

Aktualisiert: 12. Apr 2020

Halleluja! Ja, wir sind zum 2. Mal schwanger – welch' ein Segen. Gott selbst spricht in seinem Wort von einer gesegneten Frau, die Kinder bekommen und erziehen darf. In diesem Blogeintrag möchte ich mit euch eine Offenbarung aus meiner ersten Schwangerschaft zum Thema "Leben& Sterben" teilen, über meinen Umgang mit meinem Baby Blues berichten und ein Statement zu weltlichen Schwangerschafts-& Geburtsratgebern geben.


Viele Frauen beginnen, ob bewusst oder unbewusst, sobald sie wissen, dass sie ein Kind erwarten, im Internet zu stöbern, in Foren zu suchen und auf Blogs zu lesen, wie eine „normale“ Schwangerschaft verläuft, wie ein Kind sich „normal“ entwickelt usw. Und dann plötzlich: ein stärkeres Ziehen im Bauch. Hier ein Wehwehchen, dort ein Schmerz – und was passiert im Kopf dieser gesegneten Frau? Sie bekommt Angst. Panik, es könne etwas nicht stimmen. Hinzu kommt der Frauenarztbesuch, wo sie gesagt bekommt, das ihr Kind zu klein sei. Sorgen über Sorgen, Ängste und Zweifel kommen auf. "Kann sie etwas dafür? Was nur, wenn ... " Und plötzlich befindet sie sich in der Abwärtsspirale von einer Niedergeschlagenheit. Hast du ähnliches in deiner Schwangerschaft erlebt?


Als ich das erste Mal Mutter wurde beschäftigte ich mich sehr mit allem drum und dran. Ich war so überglücklich und ja, ganz euphorisch. Ich wollte das mein Baby am besten sofort auf die Welt kommt, damit ich es endlich bei mir habe. Aber Gott bestimmte nicht ohne Grund neun Monate Schwangerschaft – eine Zeit, die wir als werdende Mütter zur Vorbereitung nutzen sollten, und ich meine nicht unbedingt mit dem Lesen jeglicher „Eltern-Zeitschriften“& co. Nein, ich meine eine geistliche Vorbereitung.

Mal ganz ehrlich: jede Frau weiß, egal ob sie ein Kind (oder mehrere) oder noch keins hat – vom Hören und Sagen oder selbst Erlebten: eine Schwangerschaft ist kein Zuckerschlecken. Körperlich, psychisch aber auch geistlich kann es ein Kampf werden. Wie kommt das? Über das körperliche möchte ich nicht weiter sprechen; psychisch stellte sich mir eine große Herausforderung gleich zu Beginn meiner ersten Schwangerschaft: ich werde neues Leben in diese Welt setzen. Das ist schön. Ich werde dieses Kind großziehen dürfen. Wow, ich bin begeistert. Aber die Tatsache, dass dieses Leben auch irgendwann sterben würde, zerbrach mir seelisch irgendwie das Herz. Das mag für Menschen, die das Erlöserwerk Jesu verstanden und angenommen haben vielleicht schwer verständlich sein, aber glaube mir: ich habe auch an all das bereits tief und fest geglaubt und doch fehlte mir eine große Erkenntnis über das Leben und das Sterben. Ich sprach viel mit meinem Mann und mit Gott darüber. Es tat mir irgendwie weh. Ich wollte nicht, das mein Kind stirbt, egal in welchem Alter. „Aber das ist doch normal& das gehört zum Leben dazu?!“ – Ja, na klar. Aber trotzdem machte es mich traurig. Die Emotionen kochten innerhalb eines Moments einfach über. Ich konnte darüber heulen wie ein Schlosshund. – Bis Gott antwortete! Wow, und seine Antwort überstieg jede Trauer:


„Ist Leben einmal gegeben, kann es nie (!!!) mehr genommen werden. Es ist nicht entscheidend, dass ein Mensch stirbt, sondern wo er die Ewigkeit verbringen wird!“

Boom. Das war’s. Mit der Tatsache, dass wir alle sterben müssen, musste ich mich abfinden. Aber wie genial ist es, dass ich mein Kind zu einem wesentlichen Teil seiner ersten achtzehn Lebensjahre so prägen darf, dass es sich für den Rest seines Lebens aktiv für das Leben entscheidet – und zwar mit Jesus. Wer an ihn glaubt, wird nie mehr verloren gehen. Welch’ eine Gnade. Wie dankbar bin ich, dass ich diese Offenbarung bekommen habe. Sie hat meine Sicht auf das Kinderkriegen wesentlich geprägt. Kein weltlicher Ratgeber konnte mir darin helfen.

Nach der Geburt meiner Tochter bin ich in den berühmt berüchtigten Baby Blues gefallen - mich holte noch ein mal der Gedanke mit dem "Sterben" ein. Ein Test? Vielleicht. Für mich war es eine erneute, noch härtere Zerreißprobe als zu Beginn der Schwangerschaft. Schließlich sah ich jetzt dieses wunderbare Wesen in meinem Arm. Und es wuchs und wuchs und wuchs... unaufhaltsam - die Zeit verflog so schnell, wie nie zuvor in meinem Leben und ich dachte tatsächlich genauso schnell wird alles vorbei sein. Mein Baby wird groß werden und dann ausziehen. Einfach weg. Obwohl sie doch grad erst angekommen ist. <<Zeit>> war so ein komischer Begriff in diesen ersten Wochen nach der Geburt. Von Momenten des Über-Glücks ins tiefe Tal von Verlustängsten, dem Alleinsein und Sterben. So paradox und doch so real. Ich wollte nicht allein sein. Und wenn ich es war, heulte ich. Ich habe erst spät erkannt, dass ich nochmal etwas nacharbeiten musste. Akzeptieren konnte ich diesen Zustand nicht. Er tat mir nicht gut. Und er nahm mir wichtige Momente. Nicht wie bei anderen Frauen lag es bei mir nicht an körperlichen Gegebenheiten oder an der Geburt - sondern an einem geistlich unreifen Zustand, den ich an dieser Stelle überwinden musste. Und ich tat es: ich wollte mir diese Zeit nicht nehmen lassen. Ich erlaubte mir zu weinen, aber verweilte nicht darin. Der Song "No longer slaves" von Jonathan & Melissa Helser führte mich in tiefe, kniende Gebete - wieder mit viel Tränen und Verzweiflung, immer mit der Frage, was das alles überhaupt sollte. Und dann hörte es plötzlich auf. Ich war geheilt. Aber nur, weil ich es nicht zu verdrängen versuchte, sondern mich diesen Ängsten& Gefühlen stellte. Wenn es dir ähnlich geht, dann verstecke dich nicht dahinter. Versuche es nicht zu verbergen, weder deine Gefühle noch deine Gedanken. Das Herz heilen bedeutet immer Schmerz zuzulassen. Schäme dich nicht, auch wenn solch ein Baby Blues mit postnataler Depression o.Ä. tituliert wird und sich das gleich ganz schlimm anhört - du bist nicht psychisch krank! Du musst nur wieder Ordnung schaffen. Und das ist ganz normal und ok!