Ehe & Familie

Hier erzählen euch Frauen von ihren Herausforderungen in ihrem Ehe- und Familienleben. Gescheiterte Ehen, zerstrittene Beziehungen, herausfordernde Situationen mit ihren Kindern oder (Schwieger-)Eltern und und und. Und sie möchten dir zeigen, wie sie sich mit Gottes Hilfe aus den Trümmern wieder ein Schloss gebaut haben. 

Es war ein Sonntag kurz vor unserem Umzug. Unsere Tochter sollte in unserer neuen Gemeinde getauft werden, deshalb wollten wir dort noch einmal in den Gottesdienst. Meine Tochter, 6 Monate, hatte hinten im Auto eine isofix Station für den besafe. Dort war sie immer drin. An diesem Morgen waren wir etwas spät dran doch als ich die Babyschale ins Auto machen wollte hatte ich so ein komisches Gefühl. Den Drang es wäre wohl besser die Babyschale heute einfach auf dem Beifahrersitz zu fixieren, mit dem normalen Gurt. Ich machte sie fest und wir fuhren los...

 

„POL-Stadt: 28.09.2019: Unfall mit vier verletzen Personen: Ein 78-Jähriger Mann raste an der Kreuzung **** mit 70km/h in einen Opel...darin auch die 6 Monate alte Tochter...“. Blaulicht. Getrennt von meiner Tochter. Alleine ins Krankenhaus...ich wusste nicht wie es meiner Tochter geht, wo sie genau war. Es war schrecklich. Im Krankenhaus erfuhr ich von den Kinderärzten auf Station, dass sie großes Glück hatte. Wäre sie auf der isofix-Station hinten gesessen hätte sie wahrscheinlich schwerste bis tödliche Verletzungen erlitten obwohl das bei über 90% der Verkehrsunfälle der sicherer Platz für die Babyschale ist. Ich erinnert mich ganz klar an dieses Gefühl. Der Grund warum ich sie vorne anschnallte. „Das war kein Glück. Das war Jesus.“ sagte ich nur. Wir hatten diesen Unfall. Ich könnte jetzt sagen wie schrecklich, dass Gott uns nicht davor bewahrt hat, uns beschützt hat. Aber nein das hat er. Er hat seinen Sohn geschickt mein Kind zu schützen. Durch diesen Unfall fühlte ich mich bestätigt in meinem Glauben. Ich fühlte mich so bestärkt in der Überzeugung meine Tochter unter Gottes Schutz stellen zu lassen. Sie offiziell zu einem Kind Gottes und der Gemeinde zu machen.  Die Taufe einige Wochen danach war wunderschön, auch wenn ich immer noch starke Schmerzen hatte. Ich fühlte mich direkt angekommen in der Gemeinde. Kam Gott und meinem aktiv gelebten Glauben jeden Tag näher. Obwohl ich gläubig erzogen wurde, habe ich nie geglaubt Gott jemals so nah zu sein. Warum das so wichtig war und wie Gott mich durch diesen Weg zu ihm noch retten würde, sollte mir erst in den kommenden Monaten klar werden. 

 

Nach unserem Sommerurlaub fand ich eines Abends durch Zufall heraus dass mein Partner nicht der tolle Familienvater und Christ war der er vorgab zu sein. Angefangen hatte alles bereits kurz vor der Geburt unserer Tochter. Er war launisch, kam spät heim, trotz Kaiserschnitt musste ich alles selbst machen, mich um ihn und das Kind kümmern. Das steckte ich unter höchsten Anstrengungen weg, denn es war ja meine Aufgabe als christliche Frau mich um meinen Mann zu kümmern, irgendwann bekomme ich es auf irgendeine Weise wieder entlohnt - dachte ich. An besagtem Abend fand ich jedoch heraus dass er Affären hatte. Nicht nur eine. Nicht nur durch menschliches Versagen verursacht, sondern ganz vorsätzlich. Denn ich weiß zumindest einige Frauen auf Dienstreise hatte er auf Tinder kennengelernt (eine dating-App). Dort gab er sich als Single aus. Ich glaube irgendwer „da oben“ wollte dass ich das herausfinde. Und nicht nur das. Eine der Frauen bat mir ein persönliches Gespräch an. Auch sie wurde von ihm getäuscht (es sei mal dahin gestellt dass sie sich viel zu schnell auf einen fremden Mann eingelassen hat). Die Dinge die ich von ihr erfuhr will ich gar nicht aussprechen. Ich ekelte mich so. Vor ihm. Vor mir. War wütend über meine Dummheit. Die falsche Wahl mit ihm getroffen zu haben. War besorgt um meine Tochter und ihre Zukunft. Um ihr Seelenheil. Meine Welt zerbrach in Sekunden, innerhalb von Tagen wurde mein gesamtes Weltbild erschüttert. Doch das Gespräch war auch heilend. Erstens die Geste voll Nächstenliebe, dass diese Frau ihre Scham überwandt um mir zu helfen. Und zweitens alles zu erfahren ohne mir den Rest meines Lebens fragen stellen zu müssen was gelaufen ist. Und nun kommen wir wieder zurück zu Gott. Er hatte mir also schon Monate vor diesem Ereignis mit der Rettung meiner Tochter gesagt „hallo Nathalie, ich möchte wieder viel präsenter in deinem Leben sein. Was ist zwischen uns geschehen“. Deshalb konnte er mich nun retten. Und da ich ihm so nah war wandte ich mich an ihn. Naja zuerst wandte ich mich an meine Pfarrerin und hab eine Stunde Rotz und Wasser geweint. Aber anschließend wandte ich mich an ihn. Und er zeigte mir ganz einfach sein geschriebenes Wort. „Mein Kind ich habe dir doch die Bibel gegeben hier findest du deine Antwort.“ Und so war es. In dieser Zeit habe ich mich mit dem Matthäus Evangelium befasst. Seine Feinde zu lieben und denen die nehmen noch mehr zu geben. „wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten?“ und so war es. Ich habe auf Gott vertraut, Kraft geschöpft aus der Bibel und den Gottesdiensten, wurde Kirchenälteste, fing wieder an viel häufiger zu beten und aus christlicher Sicht mein Leben zu reflektieren. Und der Lohn war groß. Gott schenkte mir die Erkenntnis dass der Vater meines Kindes ein sehr armer Mensch ist. Niemals, seit wir zusammen waren (leider wurde mir das erst später bewusst) war er ehrlich zu mir oder sich selbst. Und niemals wird er eine gesunde Beziehung zu einer Frau, einem Familienmitglied oder Gott haben. Er ist ein armer Mensch. Weil er nicht aufrichtig und rein lieben kann. Und so werde ich ihm auch weiterhin all das geben was ich mir selbst abverlangen kann. Ich werde mich weiter bemühen um die Beziehung zwischen ihm und meiner Tochter, werde ihn weiter verteidigen und ihm alles gönnen was er hat. Weil es mich stärker macht. Weil meine Nächstenliebe mich aus macht. Und weil ich weiß egal ob ich irgendwann wieder einen Partner finden werde oder nicht. Ich bin nie alleine denn ich habe meine Tochter und Gott sowie seinen Sohn an meiner Seite. Für immer und über das Leben auf Erden hinaus. 

 

Doch ich hatte noch ein weiteres Problem. Ich schämte mich so. So sehr vor meinen christlichen Brüdern und Schwestern. Ich hatte so große Angst verurteilt zu werden. Eine Alleinerziehende Kirchenälteste. Eine Frau ohne Mann an ihrer Seite. Eine Frau, die einen Mann liebte der seiner Fleischeslust so offen nachging. Doch auch hierbei half er mir. Er schickte mir menschliche Engel auf Erden. Ich entdeckte das Profil von Josefine. Obwohl sie eine so starke christliche Sicht auf Dinge hat verurteilt sie nicht. Ich erkannte dass mich meine wahren Brüder und Schwestern nicht verurteilen würden. Wie sollten sie auch wenn Gott so präsent an meiner Seite ist und mich unterstützt. Denn würden sie damit nicht auch ihn verurteilen?! Ich folgte liebezurbibel, die mir jeden Tag zeigt wie stark wir Frauen sind. Dass wir die Beziehung zu Gott über alles stellen sollten. Und er schickte mir die beste Pfarrerin (die nebenbei Psycholgin und zweifach Mama ist) die man nur haben kann. Das größte Geschenk vor einigen Wochen und für mich der absolute Beweis seiner Stärke gab mir jedoch meine 20 Monate alte Tochter. Als ich sie fragte wo Gott sei, grinste sie mich breit an und zeigte - obwohl ich bei dieser Frage immer in den Himmel zeige - auf hier Herz und sagte „hiiiier“. Durch sie hat er mein Herz berührt.

 

Man könnte sagen mir wurde so viel genommen. Doch dank Gott kann ich sagen mir wurde so viel gegeben. Ich liebe unser Leben. Ich habe eine gesunde, aufgeweckte Tochter, wohne in einem wunderschönen Ort mit einer großartigen Gemeinde, arbeite wieder und setze mein Masterstudium fort. Ich liebe auch meine Arbeit als Kirchenälteste. Ich bin jeden Tag erfüllt von Liebe. Und in den schweren Momenten (ja die gibt es auch ein Jahr später noch) da widme ich mich Gott und schöpfe Kraft aus seinem Wort. Ich möchte euch damit sagen, egal wie schlimm die Situation ist, wie hoffnungslos alles zu sein scheint, vertraut euch Gott an. Lasst ihn in euer Leben und er wird euch helfen. Seid ihr verloren führt er euch wieder zu sich und er lässt euch erkennen was wirklich wichtig ist. Damit ihr jeden Tag Dankbarkeit erfahren dürft.

 

Amen

Nathalie

 

 

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